Befunde: Lesen

An der Internationalen IGLU-Studie, deren Ergebnisse im Jahr 2023 veröffentlicht wurden, waren insgesamt 65 Staaten und Regionen beteiligt. In Deutschland wurden 4.611 Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen  getestet. Die wichtigsten Ergebnisse:

  1. Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland liegen in der Lesekompetenz insgesamt im Mittelfeld. Auffallend sind jedoch die großen Unterschiede zwischen den lesestärksten und -schwächsten Schülerinnen und Schülern. Diese Leistungsunterschiede sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
  2. Die Lesekompetenz der Kinder in Deutschland ist gesunken, besonders stark zwischen 2016 und 2021, also noch vor der Corona-Pandemie. Ein Viertel der getesteten Kinder in Deutschland erreicht nicht den international festgelegten Mindeststandard beim Lesen. Ohne diese Fähigkeiten kann nicht erfolgreich weiter gelernt werden. Diese Verschlechterungen werden mit der veränderten Zusammensetzung der Schülerschaft, dem soziale Status der Eltern und der zu Hause gesprochene Sprache erklärt.
  3. Mädchen schneiden bei der Lesekompetenz in den meisten Teilnehmerstaaten besser ab als Jungen. Mädchen haben Vergleich zu Jungen eine höhere Lesemotivation und schätzen ihre Lesekompetenz selbst auch besser ein.
  4. Immer mehr Kinder sagen, dass sie nicht gern lesen, obwohl die bei Kinder in Deutschland immer noch höher ist als in anderen Ländern. 63 Prozent der Schülerinnen und Schüler lesen mindestens eine halbe Stunde täglich in ihrer Freizeit.
  5. Besonders auffallend ist die geringe Lesezeit im Unterricht. Viertklässlerinnen und Viertklässler lesen im durchschnittlich 141 Minuten pro Woche, der Mittelwert in den OECD-Staaten liegt bei 205 Minuten.
  6. Die Digitalisierung in den Grundschulen ist in Bezug auf Ausstattung und Nutzung im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Nur 29 Prozent der Kinder nutzen digitale Geräte mindestens einmal pro Woche, um Texte zu lesen. In Norwegen sind es 89 Prozent.
  7.  Der Übergang an ein Gymnasium hängt bei gleicher Lesekompetenz und bei gleichen kognitiven Fähigkeiten stark von der sozialen Herkunft der Kinder ab. Lehrkräfte prognostizieren für Kinder aus Akademiker-Haushalten mindestens doppelt so häufig den Wechsel auf das Gymnasium wie bei Kindern aus unteren sozialen Schichten. Kinder aus diesen Familien müssen deutlich besser sein als Kinder aus Akademikerfamilien, um eine Gymnasialempfehlung zu erhalten.